Sprache hat viele Dimensionen: Sprache gibt uns eine personale und soziale Identität, Sprache entwickelt die Bindekraft, die uns Zugehörigkeit erfahren lässt ebenso wie sie uns eine kulturelle, religiöse und wertbezogene Struktur gibt, auf die wir uns beziehen können Sprache ermöglicht auch, sich selbst darzustellen: als klug, sensibel, charmant, usw. (Kuss&Pfabigan 2009). Der Wechsel in eine andere Sprachwelt, wie ihn MigrantInnen vornehmen müssen, weicht diese Strukturen und Selbstverständlichkeiten auf. Migration bedeutet immer einen Balanceakt zwischen dem Ureigenen und dem Neuen. Einerseits muss die soziokulturelle und personale Identität bewahrt werden um nicht an Identitätsverlust (im Sinne einer „Überassimilation“) oder an Identitätsverhärtung (im Sinne einer Abkapselung und Abwehrhaltung) zu leiden. Andrerseits muss Eingang in die neue Sprachwelt gefunden werden (Krumm 2008).

 

Auch bei größter Anstrengung ist es nicht möglich eine ebenso große Variabilität in einer Zweitsprache zu erreichen wie in der Erstsprache. MigrantInnen können sich darob als unzulänglich oder infantilisiert empfinden (Knapp 2002). Dies hat besonders in Hinblick auf die (berufliche) Integration im Migrationsland Auswirkungen, denn die Grundlage für Integration ist Sprache. Viele MigrantInnen, die Sprachkurse in ihren Migrationsländern besuchen, haben dennoch – auch bei als gut zu beurteilenden Sprachkenntnissen – große Probleme, Arbeit zu finden, insbesondere qualifizierte Arbeit. Nicht fehlerfrei sprechen oder schreiben zu können, wird oftmals als Ausdruck mangelnder Professionalität gedeutet (Gröning 2004). Lehrkräfte, die Sprachkurse für MigrantInnen durchführen (in Österreich bspw. „Deutsch als Zweitsprache“), weisen hier auf die Notwendigkeit hin, Sprachbedarfsanalysen einzelner Berufe bzw. Berufsfelder zu erstellen, um MigrantInnen sprachlich bedarfsgerecht auf den angestrebten Beruf vorbereiten zu können (Zelger 2007). Somit können nicht nur die Chancen überhaupt einen Arbeitsplatz zu bekommen, erhöht werden, sondern auch Selbstvertrauen und soziale Zugehörigkeit gestärkt werden. 

 

Damit Unterricht in bspw. Deutsch als Zweitsprache erfolgreich ist, bedarf es fachkundiger, professionell ausgebildeter Lehrkräfte und diese wiederum müssen adäquate Materialien haben, mit denen sie bedarfsgerecht unterrichten können. Für den Deutschunterricht per se gibt es bereits umfangreiche Materialien sowie verschiedene Portale (auch online), auf die Deutschlehrkräfte zurück greifen können. Berufsbezogene Materialien, die auch inhaltlich auf Sprachwendungen, Verhaltensinformationen, Erwartungen an MitarbeiterInnen bspw. im Verkauf, vorbereiten, gibt es nur für sehr weniger Bereiche, bspw. für den Pflege- und Betreuungsbereich. Aber auch diese sind nicht für zentral für alle verfügbar.

 

Im Projekt „Meet the Need“ wurde diesen Bedürfnissen entsprochen werden und ein Kompendium erarbeitet, das genau diese fehlenden Materialien enthält.